Rückbesinnung an die HIV-Pandemie

Rückbesinnung an die HIV-Pandemie

Bei der bei der aktuellen Diskussion um die die Freigabe der Patente werden bei manchen Erinnerungen an die 80er und 90er Jahre wach. Nachdem der HI-Virus als Auslöser für die Aids-Pandemie in den 1980er Jahren erkannt wurde, zeigten die Pharmakonzerne zunächst wenig Interesse daran Medikamente und Impfstoffe zu entwickeln. Der Grund dafür war, dass viele der Betroffenen im globalen Süden lebten und/oder marginalisierten Gruppen im globalen Norden angehörten. Die ersten sechs Wirkstoffe wurden daher in öffentlich geförderten Forschungseinrichtungen oder Labors von Universitäten entwickelt (Schaaber J (2005) Keine Medikamente für die Armen?). Bis Ende der 1999 waren immer noch 58% der Studien zu HIV-Medikamenten von öffentlicher Hand gefördert.

Erst nachdem sich 1996 eine Kombinationstherapie als wirksames Mittel erwies, um den Ausbruch von Aids zu verhindern, begann die Pharmaindustrie in großem Maße in das Geschäft mit dem tödlichen Virus einzusteigen. Die Zielgruppe der Pharmaindustrie war dabei in erster Linie Betroffene in den Industrieländern, die sich den Preis für die Behandlung, rund 10 000 Dollar pro Jahr, leisten konnten. Gut 90 % der Betroffenen lebte jedoch in Ländern mit niedrigem Einkommen, ihnen blieb zum größten Teil der Zugang zur lebensrettenden Therapie verwert.

Erst die Entscheidung der WTO im Jahr 2001 grundsätzlich Zwangslizenzen zu erlauben und nach der Einrichtung eines gemeinsamen Patente Pools für HIV-Medikamente entspannte die Lage. Nachdem Brasilien im Jahr 2001 diese Möglichkeit in Betracht zog und androhte Zwangslizenzen auf die antiretroviralen Medikamente Efavirenz (Merck) und Nelfinavir (Roche) zu verhängen, senkten die beiden Konzerne die Preise um etwa 60%.

Durch die Erinnerung  an die verheerende Aids-Pandemie und die unrühmliche Rolle die Pharmakonzerne und ihre Patente dabei gespielt haben, können wir viel für die aktuelle Covid-19 Pandemie lernen. Wer behauptet Patente seien nicht Mitschuld für die globale Unterversorgung an Medikamenten und Impfstoffen im Kampf gegen die Covid-Pandemie, sei an die Geschichte erinnert.

Für weitere Informationen zur empfehlen wir den Pharma-Brief Spezial: HIV/Aids Global. Was zu tun bleibt von der BUKO Pharma-Kampagne und dem Aktionsbündnis gegen AIDS aus dem Jahr 2019. Abrufbar hier.